Medizinischer Begriff des Traumas

Laut ICD-10 / ICD-11 sind Traumata definiert als "kurz- oder lang anhaltende Ereignisse oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophem Ausmaß, die nahezu bei jedem Menschen tiefgreifende Verzweiflung auslösen würden" (Dilling 1994). 

Arten von Traumata

Man kann Traumata unterteilen in sogenannte "man made"- Traumata, also solche, die durch Menschen zugefügt wurden, und in zufällige Traumata. Ebenso unterscheidet man kurz- und lang dauernde Traumata.
Durch Menschen zugefügte Traumata (Mißhandlungen in der Kindheit, Gewalterlebnisse, Vergewaltigung, Kriegserlebnisse, Geiselnahme etc.) haben in der Regel gravierende Auswirkungen auf den Geschädigten.

Typ-1-Traumata: einmalige Ereignisse, gekennzeichnet durch akute Lebensgefahr, Plötzlichkeit und Überraschung

Typ-2-Traumata:
Serien traumatischer Einzelereignisse, gekennzeichnet durch geringe Vorhersehbarkeit des weiteren traumatischen Geschehens:

  • Geiselhaft
  • Folter
  • Kriegsgefangenschaft
  • KZ-Haft
  • wiederholte sexuelle oder körperliche Gewalt 



Akute Belastungsstörung (ICD-10:F43.0)

Die aktute Belastungsstörung bezeichnet einen kurzen Zeitraum mit intrusiven Erinnerungen, der innerhalb von 4 Wochen auftritt, nachdem eine Person Zeuge oder Opfer eines überwältigenden, traumatischen, Ereignisses wurde. 
Die Diagnose einer akuten Belastungsstörung wird aussschließlich nach klinischen Kriterien gestellt. Die Behandlung richtet sich schwerpunktmäßig auf Selbstversorgung, Selbstfürsorge und Psychotherapie. Die medikamentöse Behandlung hat hier nur eine begrenzte Bedeutung. 

Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:F43.1)

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine mögliche Folgereaktion auf traumatische Ereignisse. Sie geht einher mit Gefühlen von Hilflosigkeit und oft auch Angst. Die Betroffenen leiden unter anhaltenden Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch sogenannte Nachhallerinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch eine Art "innere Bedrängnis" in Situationen, die dem Trauma ähneln oder mit ihm in Zusammenhang stehen (das sogennannte "Traumanetzwerk"). Desweiteren ist ein Symptom die teilweise oder vollständige Unfähigkeit einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern.

Ebenso können folgende Merkmale gegeben sein: 

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Reizbarkeit oder Wutausbrüche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Hypervigilanz (Überwachsamkeit)
  • erhöhte Schreckhaftigkeit

Traumadiagnostik

Um eine optimale, dem Klienten gerecht werdende, Therapie durchzuführen, ist es nötig, das Ausmaß des Traumas, sowie die Art etwaiger Traumafolgestörungen genau zu erkennen und zu diagnostizieren. Auch eventuell vorhandene komorbide Störungen (Angst- und Zwangserkrankugen, Schmerzstörungen psychotisches Erleben, Dissoziative Störungen, Suchterkrankungen) sollten mit zur Verfügung stehenden Tests und durch genaues Befragen des Klienten abgeklärt werden. 

Beispielhaft können folgende Tests können zum Einsatz kommen: 

  • das ETI (Essener Trauma Inventar)
  • FDS (Fragebogen dissoziativer Störungen)
  • TADS-I (Trauma- und Dissoziative Symptome-Interview, ein halbstrukturiertes Interview zur Abklärung dissoziativer Störungen der Posttraumatischen Belastungsstörung und der Komplex- Posttraumatischen Belastungsstörung)